{"id":691,"date":"2024-03-16T18:44:24","date_gmt":"2022-03-15T14:39:22","guid":{"rendered":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/texte-von\/an-image-is-powerful-because-of-everything-it-takes-away-from-the-viewer-text-2\/"},"modified":"2025-02-08T12:25:24","modified_gmt":"2025-02-08T11:25:24","slug":"ueber-die-bedeutung-des-skizzenbuches-fuer-mich-text","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/texte-von\/ueber-die-bedeutung-des-skizzenbuches-fuer-mich-text\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Bedeutung des Skizzenbuches fu\u0308r mich (2017) Text"},"content":{"rendered":"","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":305,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[22,21],"tags":[],"class_list":["post-691","post","type-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-texte","category-texte-von"],"grid":"{\r\n  \"colCount\": 18,\r\n  \"colGutter\": 1,\r\n  \"rowGutters\": [],\r\n  \"frameMargin\": 5,\r\n  \"leftFrameMargin\": 25,\r\n  \"rightFrameMargin\": 25,\r\n  \"topFrameMargin\": 175,\r\n  \"bottomFrameMargin\": 175,\r\n  \"rowAttrs\": [\r\n    {}\r\n  ],\r\n  \"bgColor\": \"#ffffff\",\r\n  \"cont\": [\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<h1 class=\\\"_Ueberschrift\\\" style=\\\"text-align: left;\\\">\u00dcber die Bedeutung des Skizzenbuches fu\u0308r mich (2017)<\/h1><p>\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Raum und Zeit sind Konstanten unserer Alltagswahrnehmung. An der Stabilit\u00e4t und Konsistenz ihrer Verbindung misst sich die soziale Lesbarkeit und Zurechenbarkeit unserer Handlungen. Das Skizzenbuch er\u00f6ffnet fu\u0308r mich einen anderen Raum. Sein Gegenu\u0308ber ist nicht die Zeit. Stattdessen l\u00e4sst das Hinzufu\u0308gen einer nicht-physikalischen Dimension (Gefu\u0308hle, Erinnerung, Erfahrung, Unbewusstes) das Skizzenbuch zu einem biegsamen, fluiden Raum werden. Dieser Raum kann sich in alle Richtungen ausbreiten, da in ihm die Hierarchisierung abgeschlossener K\u00f6rper aufgegeben wurde und er sich selbst in einem st\u00e4ndigen Prozess befindet.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Beim Betrachten eines \u00e4lteren Skizzenbuches stellt sich fu\u0308r mich aufgrund dessen auch immer die Frage, inwiefern ich eingreifen will in damals Gezeichnetes. Rei\u00dfe ich heraus, was ich jetzt besser wei\u00df und kann, beziehe ich es in den aktuellen Prozess ein oder akzeptiere ich es als Zeugnis des Historischen? Meistens u\u0308berwiegt letztere Reaktion. Ich begreife das Skizzenbuch als einen Ort in dem jede Seite gleichwertig ist, unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t der Zeichnung\/Malerei\/Collage\/Notiz die auf ihr zu sehen ist. Die Quantit\u00e4t der Arbeiten im Skizzenbuch l\u00e4sst Qualit\u00e4t sekund\u00e4r werden. Jedoch ist Quantit\u00e4t auch nicht Prim\u00e4rziel, sondern Mittel zur Dimensionsbildung, wenn ich mir Dimensionsbildung als Methode der Verknu\u0308pfung vorstelle. Die Vielzahl der Arbeiten gibt eine Vielzahl von m\u00f6glichen Koordinaten an, von denen aus Orientierung bzw. Desorientierung im zeitlichen und r\u00e4umlichen Kontext in dem man sich befindet, m\u00f6glich ist.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Skizzenbu\u0308cher sind intime Orte deren Inhalte weder fertig noch verpackt sind. Ein Skizzenbuch hat ein Anfang und ein Ende. In meinen Skizzenbu\u0308chern spielt das aber keine Rolle, genauso wenig wie die Reihenfolge der Arbeiten von Bedeutung ist. Das Ende ist kein Abschluss und die n\u00e4chste Seite kein Fortschritt. Meine Skizzenbu\u0308cher sind geschlossene R\u00e4ume, die offen sein wollen. Es gibt keine Hierarchie, keine Reihenfolge, \u2013 abgesehen von der Formatvorgabe, die sich meist zuf\u00e4llig ergibt. Zeichnungen, die als Reaktion auf die vorangegangene Seite entstehen, beispielsweise weil sich die flu\u0308ssige Farbe durchgedru\u0308ckt hat, k\u00f6nnen trotzdem fu\u0308r sich stehen und in andere Richtungen weisen. Es geht nicht um Narration im Sinne einer Chronik, vielmehr als Schlu\u0308ssel, als Aufmachen eines Raumes, einer Beziehung.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Als Aktivist*in des Skizzenbuches \u00f6ffne ich einen Raum, indem ich ihn gestalte. Als Leser*in beziehungsweise Betrachter*in des Skizzenbuches durch ein in verschiedene Richtungen m\u00f6gliches Entlanghangeln an gegebenen Koordinaten. Greifen und Verzahnen ist notwendig, um weiter zu kommen \u2013 wohin auch immer.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Das Skizzenbuch ist immer da, weil es in einen Rucksack passt. Das Skizzenbuch ist ein*e Begleiter*in. Es wird abgenutzt und fragil. Durch das Bewegen knicken und beschmutzen die Seiten. Kopien, Collagen, Zitate sind legitime Inhalte eines Skizzenbuches, die dort gemeinsam zu einer Nicht-Identit\u00e4t der Autor*innenschaft verschmelzen, in welcher Differenzen weder negiert noch benannt werden. Ich betrachte das Skizzenbuch als einen \u201eSafe Space\u201c in dem das herk\u00f6mmliche Wertesystem nicht greift und die Frage nach (Re-)Pr\u00e4sentation au\u00dfen vor bleibt. Dies wird auch dadurch erm\u00f6glicht, dass das Skizzenbuch als Lebensraum nicht warenf\u00f6rmig ist. Die Frage des Wertes bleibt wenigstens zu Lebzeiten der Ku\u0308nstler*innen in den meisten F\u00e4llen ungestellt.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Sp\u00e4testens mit der Publikation hat sich der private Charakter des Skizzenbuchs endgu\u0308ltig als demonstrativ erwiesen, als ein Widerspruch in sich. Es ist ein privater \u00c4u\u00dferungsraum, der sich nicht ohne Gegenu\u0308ber denken l\u00e4sst.<\/p><p class=\\\"_Einzug\\\">Der Vorteil des Skizzenbuchs ist, dass dort kein abgeschlossenes Selbst durchgehalten werden muss. Selbstu\u0308berschreibung\/\u00dcbermalung sind Versuch einer Selbstu\u0308berschreitung anhand deren Grenzen die Nicht-Identit\u00e4t verloren geht, an deren Grenzen die Bewegung des eigenen K\u00f6rpers im Verh\u00e4ltnis zu Anderen steht und erkannt wird.<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 0,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 4,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=691"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/691\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/305"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mirjamwalter.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}